Ein dritter Waggon für den historischen Museumszug

Am 12. Dezember 2018 war ein großer Tag im Sächsischen Eisenbahnmuseum. Nach 6 Jahren Bauzeit (mit technologisch begründeten Unterbrechungen) und über 2000 geleisteten Arbeitsstunden, bestand der Waggon 50 50 28 14 817-7 seine Hauptuntersuchung. Damit ging wohl die langwierigste Instandsetzung eines Fahrzeugs des Sächsischen Eisenbahnmuseums zu Ende. Schon bei der ersten Befundung des Waggons vor Beginn der Aufarbeitung zeigte sich der schlechte Zustand des Fahrzeuges. Doch die eigentlichen Probleme rückten erst viel später ans Tageslicht.

Chronologie der Restauration

Startschuss für die Aufarbeitung war der Ausbau von Zughaken, Luftkesseln und Drehgestellen. Letztere wurden zur Überholung zu einer Firma nach Halberstadt verbracht. Es folgte der Ausbau sämtlicher Fenster inklusive Rahmen sowie, auf Grund brandschutztechnischer Forderungen, schlussendlich der Ausbau der gesamten Innenverkleidung des Wagens. Dabei zeigte sich, dass es vor allem im unteren Bereich der Karosserie und an mehreren Trägern zu erheblichen Rostbefall gekommen war. Der Grund für dieses Dilemma konnte zeitnah lokalisiert werden: Bei einer der früheren Hauptuntersuchung wurde die Entwässerungen der Seitenfenster fälschlicher Weise in die Bodenisolation verlegt. An die Blecharbeiten knüpften die Lackierung des Wagenkastens und die Neuanfertigung der Innenverkleidung an. Gleichzeitig mussten, nach diversen Schwierigkeiten, in Eigenregie die Generatoren instandgesetzt werden. Diese produzieren während der Fahrt des Wagens Strom für den Innenraum und speisen einen ebenfalls erneuerten Batteriesatz. Im Fahrgastbereich wurden Leuchtstoffröhren durch moderne LED-Röhren getauscht, welche jedoch die alte Außenwirkung erhalten. Kurz vor dem Wiedereinbau der überholten Fenster im Jahr 2016 tauchte plötzlich ein ganz neues Problem auf. „Beim Entfernen von Kaugummi vom Fußboden stieß ein Vereinsmitglied mit einem Schraubendreher aus Versehen durch den Boden, ganz durch… „ Dies warf den Zeitplan komplett durcheinander. Es musste der gesamte Bodenbelag heraus. Darunter kamen die stark angerosteten und an einigen Stelle durchgerosteten Bleche des Unterbodens zum Vorschein. Demzufolge startete die Erneuerung sämtlicher sogenannter „Sickenbleche“. Zum Schutz vor Korrosion erhielt der Unterboden im selben Atemzug eine neue Versiegelung. Die nächste Herausforderung bestand darin einen möglichst originalen und doch widerstandsfähigen Bodenbelag als Ersatz für den alten zu finden. Auch Lasertechnik kam bei der Aufarbeitung zum Einsatz. Besonders wichtig war dies für den Einbau der überarbeiteten Sitze. Die frisch lackierten und neu bezogenen Sitzbänke konnten mittels modernster Technik genau auf dem Fußboden platziert und befestigt werden. Mit dem Einbau der Fenster nahm der Waggon langsam wieder Gestalt an, doch ein zentrales Element fehlte noch. Die instandgesetzten Drehgestelle (Achsen in einem drehbar gegenüber dem Wagenkasten gelagerten Gestell) konnten endlich mit dem Wagenkasten wieder vereint und die Bremsanlage samt geprüften Luftkessel montiert werden. Nun war die Restauration auf der Zielgeraden. Das eiserne Ziel war eine Abnahme des Waggons Anfang Dezember. Und genau dieser Termin konnte gehalten werden, nachdem es in den letzten Wochen noch einmal ein wenig Stress aufkam, da viele kleine Arbeiten wie Sitznummerierung oder Ausbesserung kleiner Lackschäden viel Zeit in Anspruch nahmen. Am 12. Dezember war es dann vollbracht. Der Waggon hatte die Hauptuntersuchung bestanden und darf nun für die nächsten 8 Jahre in Traditionsdienst für das Sächsische Eisenbahnmuseum unterwegs sein. Und der erste Einsatz ließ nicht lange auf sich warten. Am 15. Dezember hing der Wagen schon im ausgebuchten Sonderzug des Museums nach Schwarzenberg. Weitere Fahrten werden folgen. Nächsten Sonntag geht es übrigens nach Annaberg-Buchholz zur Abschlussbergparade

An dieser Stelle wollen wir uns bei allen an diesem Projekt beteiligten Mitgliedern für die geleistete in Arbeit und ebenfalls bei allen beteiligten Firmen bedanken.

Dank eures engagierten Einsatzes ist es gelungen, den 1977 in Halberstadt in Betrieb genommen Personenwagen wieder betriebsfähig für den Museumszug des Sächsischen Eisenbahnmuseums zu reaktivieren. Doch so ein Projekt benötigt eine sehr willensstarke Beteiligung von Vereinsmitgliedern. Damit wir auch zukünftig das Museum samt Museumszug erhalten können suchen wir dringend neue Mitglieder. Wenn Sie Interesse an historischer und erlebbarer Technik haben oder einfach sich für den Erhalt dieser Eisenbahnkultur einsetzen möchten, dann melden Sie sich bei uns.